Ausdauerorientiertes Training mit Kindern und Jugendlichen an der Hämodialyse

Hämodialysepatienten treiben im Vergleich mit gesunden Kontrollpersonen nur wenig Sport und ihre Leistungsfähigkeit ist meist niedrig. In Erwachsenenstudien wurden bereits eine ganze Reihe positiver somatischer als auch psychischer Effekte durch ausdauerorientiertes Training nachgewiesen. Dazu gehören unter anderem eine deutliche verbesserte Leistungsfähigkeit, eine Reduktion der Hypertension beziehungsweise der benötigten antihypertensiven Medikation, eine wesentlich verbesserte Ernährungssituation sowie eine signifikante Steigerung der Lebensqualität. Interessant ist außerdem die Verbesserung der (Harnstoff-)Dialysance, die bei einem sportlichen Training während der Dialyse auftreten kann und somit zu einer verbesserten Dialyseeffektivität führen könnte.

Zu der Frage, inwieweit Kinder und Jugendliche ebenfalls von einem ausdauerorientiertem Training profitieren können, ist die Datenlage bisher sehr dünn. Es gibt einzelne Studien mit kleinen Fallzahlen und meist relativ kurzer Dauer, die im Wesentlichen die oben aufgeführten Ergebnisse bestätigen. In einer Pilotstudie haben PD Dr. Bettina Schaar von der Deutschen Sporthochschule Köln und Dr. Markus Feldkötter, Universitätsklinikum Köln, et al. die körperliche Leistungsfähigkeit von 14 Hämodialysepatienten im mittleren Alter von 15,1 (±3,0) Jahren vor und nach einem ausdauerorientiertem Trainingsprogramm von drei Monaten Dauer untersucht [Bettina Schaar et al.: Cardiorespiratory capacity in children and adolescents on maintenance haemodialysis. Nephrol Dial Transplant. 2011 Nov; 26(11): 3701-3708]. Zwar verbesserte sich die Leistungsfähigkeit, aufgrund der geringen Fallzahl waren die Effekte allerdings nicht signifikant. Insgesamt wurde das Training während der Dialyse sehr gut und ohne wesentliche Nebenwirkungen vertragen und brachte eine neue Möglichkeit, die Dialysezeit abwechslungsreicher zu gestalten.

Die Abteilung Pädiatrische Nephrologie, Universitätskinderklinik Bonn, und die Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Rehabilitation und Behindertensport untersuchen nun in einer multizentrischen deutschlandweiten Studie unter Beteiligung fast aller KfH (Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation) Dialysezentren für Kinder und Jugendliche den Einfluss eines solchen ausdauerorientierten Trainingsprogramms bei Kindern und Jugendlichen. Insgesamt sollen 66 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und 19 Jahren über einen Zeitraum von drei Jahren rekrutiert werden. Die Studienteilnehmer werden in zwei Gruppen randomisiert. Die Studie teilt sich in zwei Abschnitte von je zwölf Wochen Dauer. In der ersten Phase wird die Interventionsgruppe ein Fahrradergometertraining von jeweils ca. 40 Minuten Dauer während der Hämodialysebehandlung durchführen. Die Kontrollgruppe wird regulär weiterbehandelt, es findet jedoch kein Training statt. Das Training erfolgt zu jeder der dreimal wöchentlichen Dialysen. In der zweiten Phase wird das Training dann über einen Zeitraum von erneut zwölf Wochen in beiden Gruppen durchgeführt. Zum einen, um Langzeiteffekte zu erfassen, zum anderen, um auch der Kontrollgruppe die Möglichkeit zur Teilnahme am Training zu ermöglichen. Zur Trainingssteuerung wird vor und nach jeder Phase eine sportmedizinische Leistungsdiagnostik durchgeführt. Das Training wird dann unter sportwissenschaftlicher Überwachung mit ca. 80 Prozent der maximalen Leistungsfähigkeit erfolgen.

Das primäre Zielkriterium ist das single pool Kt/V, der Quotient aus dem Plasmaanteil, der während der Hämodialyse von Harnstoff gereinigt wird, und dem Harnstoffverteilungsvolumen. Die zentrale Frage ist, ob durch den Einsatz des Trainingsprogrammes eine signifikante Verbesserung erzielt werden kann. Sekundäre Zielkriterien sind der Knochenstoffwechsel (PTH, Calcium, Phosphat), double pool KT/V bei Patienten, die älter als zwölf Jahre alt sind und einer weiteren Blutentnahme 30 Minuten nach Dialyseende zustimmen, Blutbildung (Hb, Retikulozyten, Hkt), weitere Laborparameter (Triglyceride, Cholesterin etc.), Blutdruck, Gewichtsentwicklung zwischen den Dialysen, BCM (Body Composition Monitor), Effekte auf die Zellen (Telomerlänge), notwendige Medikamentendosierung, Lebensqualität und die sportliche Leistungsfähigkeit.

Das Ziel ist die Etablierung eines langfristigen Trainingsprogramms während der Dialyse zur Verbesserung des Gesundheitszustandes und der Lebensqualität von (minderjährigen) Dialysepatienten. Die Studie wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert. Die Studienleitung erfolgt in Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Sporthochschule Köln, Institut für Rehabilitation und Behindertensport, und der Universitätsklinik Bonn, Zentrum für Kinderheilkunde.

Kontakt:
Universitätsklinik Bonn, Zentrum für Kinderheilkunde, Tel.: +49 (0)228 / 287 33333, kindernephrologie@ukb.uni-bonn.de
Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Rehabilitation und Behindertensport, Tel.: +49 (0)221 / 498 24780, diasport@dshs-koeln.de


  Verantwortlich Universitätsklinik Bonn, Zentrum für Kinderheilkunde/Deutsche Sporthochschule Köln